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Patientenbefragungen
gewinnen an Bedeutung Im
zunehmenden Wettbewerb auf dem Gesundheitssektor nutzt die Mehrheit der
Krankenhäuser in Deutschland inzwischen Patientenbefragungen für die
Qualitätssicherung. Allerdings ist oft noch Überzeugungsarbeit bei
Patienten und Mitarbeitern nötig, wie auf einer Fachtagung der
Forschungsgruppe Metrik im mittelhessischen Wartenberg deutlich wurde. Wie
sauber ist das Krankenhaus, ist das Essen gut und waren die Pflegekräfte
freundlich? Eine Patientenbefragung deckt interne Schwachstellen auf –
im günstigsten Fall kann eine Klinik aber auch mit
Spitzen-Ergebnissen in der Öffentlichkeit punkten. Um die Chancen und Tücken
der professionellen Patienten- und Mitarbeiterbefragung ging es beim
„Anwendertag“ am 27. Februar im mittelhessischen Wartenberg – eine
Fachtagung, zu der die Forschungsgruppe Metrik eingeladen hatte. Auf dem
Podium waren Führungskräfte ebenso vertreten, wie Pflegefachleute. Nur
zehn bis 20 Prozent der Krankenhäuser reagierten auf negative Bewertungen
in Patientenbefragungen mit Veränderungen, sagte Professor Konrad
Selbmann, Direktor des Instituts für Medizinische
Informationsverarbeitung am Universitätsklinikum Tübingen: „Positives
wird dargestellt, negative Ergebnisse landen oft in der Schublade“. Rund
80 Prozent aller Kliniken in Deutschland führten bereits
Patientenbefragungen durch, sagte er. Denn nur auf diese Weise könnten
wichtige Kriterien für die Krankenhauswahl der Patienten erhoben werden. Hans
Alsen, Qualitätsmanagementbeauftragter Deutsches Rotes Kreuz
Schwesternschaften – Krankenheim Mariendorf in Berlin, nannte das Qualitätsmanagement
vieler Kliniken „ausbaufähig“. Patientenbefragungen seien ein
„unverzichtbares Instrument“ um Missstände aufzudecken. „Man muss
aber fragen, was dahinter steht“, sagte er. Zu oft werde aber nach den
„niedrig hängenden Äpfeln gesucht“ - schwierige und unbequeme Änderungen
werden demnach oft aufgeschoben. Karl
Ferdinand von Thurn und Taxis, Vorsitzender der Geschäftsführung der MTG
Malteser Trägergesellschaft, bescheinigte den Kliniken in Deutschland
eine größere Konkurrenzfähigkeit als noch vor einigen Jahren. Es gebe
ein „anderes Niveau in den Krankenhäusern“, sagte er. Den Kliniken
sei bewusst, dass sie sich zunehmend in einem Markt bewegten. Joachim
Finklenburg, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Gummersbach wies auf
die wachsende Bedeutung der Qualitätssicherung für kommunale Krankenhäuser
hin. Angesichts zunehmender Privatisierungen kommunaler Häuser durch
private Anbieter könne Qualitätssicherung „Sicherheit“ bieten, wie
er sagte: „Der Wettbewerb wird in Zukunft über die Qualität
bestimmt.“ Unter
der Überschrift „Mütter sind keine Patienten“, berichtete Dr. Johann
Peter Prinz, Regionalleiter Unternehmenskommunikation des Helios-Konzerns
in Hessen und Thüringen von Erfahrungen mit der Geburtshilfe.
Insgesamt verzeichneten die Helios-Kliniken 2006 in ihren 55 Kliniken rund
10 300 Geburten. Um die Versorgung der Mütter während der Entbindung zu
verbessern, hat Helios in Zusammenarbeit mit Hebammen, Gynäkologen und
der Forschungsgruppe Metrik eigens einen Fragebogen für Wöchnerinnen
entwickelt. Inzwischen werden diese bei Helios jährlich nach ihrer
Zufriedenheit mit Entbindung und Versorgung des Kindes gefragt, wie Prinz
berichtete. Dabei gehe es nicht nur um Kriterien wie die Qualität von
Behandlung und Betreuung, sondern auch darum, ob sich die Mütter in der
Klinik sicher fühlten. Im Jahr 2006 bewerteten ganze 88 Prozent aller Mütter
die pflegerische Versorgung des Kindes auf der Station als „sehr gut“
oder „erstklassig“. Die
Befragung hunderter Patienten oder Mitarbeiter kann sich in der Praxis als
schwierig erweisen: Nicht alle Patienten reagieren erfreut; das
Krankenhauspersonal muss sich auf Mehrarbeit einstellen. Mehrere
Referenten wiesen deshalb auf die Bedeutung klarer Verantwortlichkeiten
hin. Über die Inhalte der Befragung dürfe es keine demokratische
Abstimmung geben, sagte etwa Klaus Mosbach, Leiter der Personalentwicklung
im Universitätsklinikum Göttingen im Bereich Humanmedizin. Es sei
alleinige Sache des Vorstandes, die Rahmenbedingungen abzustecken, sagte
er. Entscheidend für den Erfolg sei es, möglichen Widerstand bei den Führungskräften
zu überwinden. Auch Beate Weber, Leiterin Qualitätsmanagement
des Geschäftsbereichs Marketing der MTG Malteser Trägergesellschaft
sprach sich für eine klare Kompetenzverteilung aus: Es müsse eine
zentrale Leitung geben, die die Verantwortungen klar abgrenze; außerdem müsse
eine Kompetenzgruppe gebildet werden, die Zielwerte festlegen und die
Befragung nachbereite, sagte sie. Helmina
Linse, Qualitätsmanagementbeauftragte am Klinikum Offenburg berichtete über
ihre Erfahrungen als Mentorin für das Pflegepersonal.
„Da, wo ich viel Präsenz gezeigt und die Mitarbeiter motiviert
habe, ist es gut gelaufen“, sagte sie. Die Patienten reagierten dagegen
sehr unterschiedlich: „Man kann nicht davon ausgehen, dass sich frisch
Operierte für unsere Fragebögen interessieren“. Praktische
Tipps für eine erfolgreiche Befragung in großen Einrichtungen gab Dr. Rüdiger
Schaar, Leiter des Qualitätsmanagements beim Zentralklinikum Augsburg.
Bewährt hätten sich etwa fremdsprachliche Fragebögen für ausländische
Patienten, und Argumentationshilfen für das Pflegepersonal, wenn
Patienten den Fragebogen nur zögerlich oder gar nicht ausfüllten. Außerdem
sei es sinnvoll, die Mentoren über die Rücklaufquoten zu informieren,
sagte Schaar. Eine
besondere Herausforderung für Patienten und Mitarbeiter ist eine
Befragung in der Psychiatrie, darauf wiesen die beiden Qualitätsmanagementbeauftragten
Karl-Georg Jung-Seibel und Christian Schmidt-Anders hin. So müsse vorab
geklärt werden, wie sich Doppelbefragungen
verhindern ließen der ob in bestimmten Fällen die Angehörigen anstelle
der Patienten befragt werden müssten. Ralf
Nennhaus, Geschäftsführer des Sankt Josef-Zentrums für Orthopädie und
Rheumatologie in Wuppertal präsentierte einen Vergleich der beiden –
konkurrierenden – Patientenbefragungsinstitute Picker und Metrik. Unter
anderem frage Metrik vor allem nach subjektiven, Picker nach objektiven
Kriterien. Je nach Zielsetzung einer Befragung hat das Sankt Josef-Zentrum
in den vergangenen Jahren beide Anbieter beauftragt. Heinrich
Kauck, Lehrer für Pflegeberufe und Geschäftsführer des
Kalinka-Pflegedienstes in Birstein informierte über die Besonderheiten
einer Befragung im Bereich der ambulanten Pflegedienste. So gebe es nicht
selten einen Interessenkonflikt: Einerseits müsse das Pflegepersonal die
Bedürfnisse der Patienten befriedigen, andererseits aber auch die Wünsche
der Auftraggeber – meist Angehörige – beachten. Befragungen könnten
dann als Steuerinstrument genutzt werden, wenn die Ergebnisse „sauber
analysiert“ und „konsequent umgesetzt“ würden, sagte er. Kliniken
und Ärzte müssten stärker zusammenarbeiten, sagte Gerd Koslowski,
Vorstand Akutkrankenhaus des Landkreises Landsberg am Lech. „Der Erfolg
einer Klinik hängt davon ab, ob ihr die niedergelassenen Ärzte in der
Umgebung vertrauen“, sagte er. 75 Prozent aller Patienten wählen ein
Krankenhaus auf Empfehlung ihres Arztes. Dessen Vertrauen in eine Klinik
ist danach das wichtigste Kriterium für die Einweisung und „der Garant
für die langfristige Umsatzsicherung“, so Koslowski. Auch
Jürgen Pauletzki, Professor für Innere Medizin und Leiter Qualitätsmanagement
der SRH Kliniken in Heidelberg wies auf die Bedeutung der
Einweiserbefragung als Steuerungsinstrument hin. Die gemeinnützige
Krankenhausgesellschaft hatte 2006 eine Einweiserbefragung bei der
Forschungsgruppe Metrik in Auftrag gegeben. Die Befragungen hätten sich
zu einem validen und differenzierten Instrument zur Verbesserung der
Zusammenarbeit von Klinik und Praxis entwickelt, sagte er. Die
SRH-Kliniken planten daher künftig jährliche Befragungen von
einweisenden Ärzten und Patienten.
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