Exemplarisch werden hier einige Befragungsergebnisse einer Mustersenioreneinrichtung dargestellt und diskutiert. Die Art der Ergebnispräsentation ist sehr grafisch orientiert und erleichtert dadurch die Verständlichkeit der Ergebnisse.

 

Die wohl interessanteste Auswertung ist der externe Vergleich der Zufriedenheitsbeurteilung des eigenen Hauses mit den Werten der anderen Häuser. Die Werte werden linear transformiert. Es sind Punktwerte von 0 bis 100 als Ergebnisse möglich. 0 Punkte bedeutet das schlechtest mögliche Ergebnis und 100 Punkte das bestmögliche Ergebnis. Zur grafischen Ergebnisdarstellung wurde die bekannte Fieberkurve eingesetzt.

 

Abb.1 Externer Vergleich

 

Die Abb. 1 verdeutlicht individuelle Stärken und Verbesserungspotentiale des Beispielseniorenheims.

Die Stärken liegen im Bereich der Ausstattung der Zimmer und der ärztlichen Betreuung, da hier die Werte über dem Durchschnitt der anderen Häuser liegen. Verbesserungspotentiale sind beispielsweise im Bereich der Freundlichkeit des Personals und der Besuchszeiten vorhanden. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass die Werte der einzelnen Facetten der Bewohner-/Angehörigenzufriedenheit nicht additiv zu einer Gesamtzufriedenheit zusammengefasst werden dürfen.

 

Neben solchen globalen Aussagen sind auch differenzierte Analysen möglich:

Differenz in Punkten

Punktwert

Fragen zur Zufriedenheit

Ihres Hauses

Vergleichs-

wert

20

65

45

Die Ausstattung meines Zimmers ist ...

12

60

48

Die ärztliche Betreuung ist ...

9

50

41

Die Vielfalt des Speiseplans ist ...

1

44

43

Die Häufigkeit der Arztbesuche ist ...

-1

43

44

Die angebotenen Speisen sind ...

-1

51

52

Die Betreuung vor der Heimaufnahme war ...

-3

48

51

Die Möglichkeit der Teilnahme meiner Angehörigem an meinem  Tagesablauf ist ...

-4

38

42

Die Auswahlmöglichkeit bei den Mahlzeiten ist ...

-4

52

56

Die Fähigkeiten des Personals sind ...

-4

52

56

Die Größe meines Zimmers ist ...

-5

50

55

Das Einfühlungsvermögen des Personals ist ...

-6

53

59

Die Gemeinschaftsräume sind ...

-6

54

60

Der Garten und die Parkanlagen sind ...

-26

36

62

Die Freundlichkeit des Pflegepersonals ist ...

-41

28

69

Die Regelung der Besuchszeiten ist ...

Bedeutung der Mittelwertspunkte:

100= erstklassig, ... , 0= schlecht

Tab. 1 Mittelwerte im externen Vergleich

 

In dieser Darstellung (Tab. 1) sind die Einzelfragen schnell zu identifizieren, bei denen Stärken und Verbesserungspotentiale vorliegen. Dabei werden die Differenzen zwischen dem Mittelwert des Hauses und dem Mittelwert des Durchschnittshauses bestimmt. Der so ermittelte Wert beschreibt den Stellenwert innerhalb der Zufriedenheitsbeurteilung. An diesem Beispiel wird deutlich, daß der individuelle Zufriedenheitswert nur im Vergleich zum Durchschnittswerte anderer Häuser seine Aussagekraft erhält: Bei Frage 15 und bei Frage 6 hat dieses Beispielseniorenheim jedesmal einen Punktwert von 50 erreicht; doch einmal wurde damit ein überdurchschnittliches und einmal ein unterdurchschnittliches ein Ergebnis erzielt.

 

Die Integration der Zufriedenheit und Wichtigkeit (Erwartung) erfolgt in der nächsten Grafik:

Abb.2 Detailansicht

Die wichtigsten Aspekte in diesem Beispielseniorenheim sind die Häufigkeit der Arztbesuche, die ärztliche Betreuung und die Freundlichkeit des Personals. Die Punktdifferenzen der Zufriedenheit (im Vergleich zum Durchschnitt) werden berücksichtigt. Themen mit unterdurchschnittlichen Zufriedenheitswerten und überdurchschnittlicher Wichtigkeit (hier z.B. Gemeinschaftsräume) sollten dringend verbessert werden. Themen mit überdurchschnittlichen Zufriedenheitswerten und überdurchschnittlichen Wichtigkeitswerten (hier z. B. die Beurteilung der Fähigkeiten des Personals) sind für das interne Marketing geeignet und sind die Kernstärken des Unternehmens.

 

Bei kontinuierlicher Messung der Bewohner- und Angehörigenzufriedenheit ermöglicht eine Zeitreihenanalyse wie sie in der folgenden Tabelle abgebildet ist einen schnellen Überblick der Veränderung über die Zeit hinweg.

Für die Frage:

1. März 
2000

3. Februar
 2001

13. April 
2002

2.
September
 2002

Die Betreuung vor der Heimaufnahme war ...

70

73

64

70

Die Größe meines Zimmers ist ...

70

73

71

70

Die Ausstattung  meines Zimmers ist ...

83

75

86

88

Die Fähigkeiten des Personals sind ...

75

78

86

93

Die Freundlichkeit des Pflegepersonals ist ...

82

86

89

89

Das Einfühlungsvermögen des Personals ist ...

64

64

71

75

Die Möglichkeit der Teilnahme meiner Angehörigem an meinem  Tagesablauf ist ...

32

39

32

32

Die Regelung der Besuchszeiten ist ...

59

66

68

65

Die ärztliche Betreuung ist ...

68

70

64

68

Die Häufigkeit der Arztbesuche ist ...

73

70

68

73

Die Gemeinschaftsräume sind ...

70

73

64

70

Der Garten und die Parkanlagen sind ...

70

73

71

70

Die Auswahlmöglichkeit bei den Mahlzeiten ist ...

83

75

86

88

Die angebotenen Speisen sind ...

75

78

86

90

Die Vielfalt des Speiseplans ist ...

82

86

89

90

Die Essenszeiten sind ...

64

64

71

78

Die Kontaktmöglichkeiten mit anderen Bewohnern sind ...

32

39

32

35

Die Beschäftigungs- u. Freizeitmöglichkeiten sind ...

59

66

68

63

Das seelsorgerische Angebot ist ...

68

70

64

73

Die Reinigung der Kleidung ist ...

73

70

68

73

Der sorgfältige Umgang mit meinen Kleidungsstücken  ist ...

70

73

64

70

Die Reinigung der Zimmer  ist ...

70

73

71

80

Die Erreichbarkeit des Altenheims mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ...

83

75

86

83

Die Parkmöglichkeiten sind ...

75

78

86

91

Der Kontakt zu Leitung des Altenheimes ist ...

82

86

89

93

Die Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten in der direkten Umgebung sind ...

64

64

71

75

Die Beratung bei Konflikten mit meinen Angehörigen ist ...

32

39

32

38

Die Verwaltung meiner Bargeldkasse ist ...

59

66

68

59

Die Verständlichkeit der Rechnung für meine Heimkosten ist ...

68

70

64

68

Bedeutung der Mittelwertspunkte:

100= stimmt vollkommen, ... , 0= stimmt gar nicht

 

Tab. 2 Zufriedenheit von Bewohnern und Angehörigen über mehrere Jahre

Die Veränderung der Zufriedenheit für die einzelnen Fragen über die Jahre hinweg lässt sich auf einen Blick erkennen. In einigen Bereichen ist sie sehr stabil geblieben (z. B. Größe des Zimmers, Freundlichkeit des Pflegepersonals), in anderen (z. B. Fähigkeiten des Personals) hat sie sich deutlich erhöht (grüne Felder), oder aber auch im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert (rote Felder, z. B. ärztliche Betreuung ).

Eingeleitete Maßnahmen in den einzelnen Bereichen zur Steigerung der Bewohner- und Angehörigenzufriedenheit können so schnell und einfach überprüft werden.

 

Die Ergebnisse von detaillierten Kundenzufriedenheitsbefragung (Bewohner- und Angehörigenbefragungen) bieten große Chancen für einen positiven Veränderungsschub in Senioren- und Altenhilfeeinrichtungen. Risiken ergeben sich, wenn den Ergebnissen keine praktischen Konsequenzen folgen oder das Blockieren von Veränderungen durch Führungskräfte toleriert wird. 

Nicht allein der Einsatz eines guten Instrumentes sichert den Erfolg, sondern der Wille der Einrichtungsleitung die produzierten Ergebnisse sinnvoll und konsequent zu nutzen.