Exemplarisch werden hier einige Befragungsergebnisse einer Mustersenioreneinrichtung dargestellt und diskutiert. Die Art der Ergebnispräsentation ist sehr grafisch orientiert und erleichtert dadurch die Verständlichkeit der Ergebnisse.

 

Die wohl interessanteste Auswertung ist der externe Vergleich der Mitarbeiterzufriedenheitsbeurteilung des eigenen Hauses mit den Werten der anderen Häuser. Die Werte werden linear transformiert. Es sind Punktwerte von 0 bis 100 als Ergebnisse möglich. 0 Punkte bedeutet das schlechtest mögliche Ergebnis und 100 Punkte das bestmögliche Ergebnis. Zur grafischen Ergebnisdarstellung wurde die bekannte Fieberkurve eingesetzt.

Abb. 1 MA-Befragung externer Vergleich

Die Abb. 1 verdeutlicht individuelle Stärken und Verbesserungspotentiale der Beispielsenioreneinrichtung.

Die Stärken liegen im Bereich "Perspektiven/Weiterbildung", "Arbeitszeit" und "Informationen durch die Heimleitung", da hier die Werte über dem Durchschnitt der anderen Einrichtungen liegen. Verbesserungspotentiale sind beispielsweise im den Bereichen "Betriebsrat", "Organisationsabläufe" und Einarbeitung vorhanden. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass die Werte der einzelnen Facetten der Mitarbeiterzufriedenheit nicht additiv zu einer Gesamtzufriedenheit zusammengefasst werden dürfen.

 

Neben solchen globalen Aussagen sind auch differenzierte Analysen möglich:

Tab. 1 Mittelwerte im externen Vergleich

Differenz in Punkten

Punktwert

Fragen zur Zufriedenheit

Ihres Hauses

Vergleichs-

wert

8

48

40

40. Die Bewohnerorientierung im Haus ist ...

6

50

44

46. Die Anzahl der herausfordernden Tätigkeiten bei meiner Arbeit ist ...

6

78

72

13. Das Interesse meines direkten Vorgesetzten für die Anliegen seiner / ihrer Mitarbeiterinnen ist ...

5

47

42

50. Wie in unserer Einrichtung mit Beschwerden von Angehörigen umgegangen wird, ist ...

4

50

46

47. Die Gestaltung der Arbeitsabläufe in unserer Einrichtung ist ...

4

45

41

3. Die Klarheit, mit der wir auf gemeinsame Ziele hinarbeiten, ist ...

3

40

37

27. Die aktive Mitwirkung aller Betroffenen bei der Lösung von Problemen ist ...

2

49

47

2. Die Informationsweitergabe durch die KollegInnen ist ...

2

45

43

48. Der sorgsame Umgang und die Verwendung mit Mitteln (Geld, Arbeitsmaterialien) in unserer Einrichtung ist ...

-3

44

47

20. Die Vorbildfunktion meines/r direkten Vorgesetzten ist ...

-4

34

39

21. Die Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen ist ...

-5

50

55

1. Die Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen ist ...

-5

43

49

51. Die Eigeninitiative meiner MitarbeiterInnen ist ...

-5

40

46

4. Die Stimmung in meinem Bereich ist ...

-7

24

31

29. Meine Möglichkeiten, die Arbeit in Ruhe zu erledigen, sind ...

-7

33

40

31. Die Möglichkeiten, die Arbeit gemäß meiner Vorstellungen durchzuführen, sind ...

Bedeutung der Mittelwertspunkte:

100=erstklassig, 75=sehr gut,  50=gut, 25=akzeptabel, 0=schlecht (für Fragen 1 bis 53)

In dieser Darstellung (Tab. 1) sind die Einzelfragen schnell zu identifizieren, bei denen Stärken und Verbesserungspotentiale vorliegen. Dabei werden die Differenzen zwischen dem Mittelwert des Hauses und dem Mittelwert des Durchschnittshauses bestimmt. Der so ermittelte Wert beschreibt den Stellenwert innerhalb der Zufriedenheitsbeurteilung. 

An diesem Beispiel wird deutlich, dass der individuelle Zufriedenheitswert nur im Vergleich zum Durchschnittswerte anderer Häuser seine Aussagekraft erhält: Bei Frage 46 und bei Frage 1 hat diese Beispielsenioreneinrichtung jedes Mal einen Punktwert von 50 erreicht; doch einmal wurde damit ein überdurchschnittliches (grün) und einmal ein unterdurchschnittliches Ergebnis (rot) erzielt.

 

Die Integration der Zufriedenheit und Wichtigkeit (Erwartung) erfolgt in der nächsten Grafik:

Abb.2 Detailansicht Wichtigkeits-Zufriedenheitsmatrix im externen Vergleich

Die wichtigsten Aspekte in dieser Beispielsenioreneinrichtung sind die Kollegialität, das Arbeitsumfeld und das Informationsmanagement. Die Punktdifferenzen der Zufriedenheit (im Vergleich zum Durchschnitt) werden berücksichtigt. Themen mit unterdurchschnittlichen Zufriedenheitswerten und überdurchschnittlicher Wichtigkeit (hier z.B. Kollegialität und Informationsmanagement) sollten dringend verbessert werden. Themen mit überdurchschnittlichen Zufriedenheitswerten und überdurchschnittlichen Wichtigkeitswerten (hier z. B. Arbeitszeit) sind für das interne Marketing geeignet und sind die Kernstärken der Einrichtung.

 

Bei kontinuierlicher Messung der Mitarbeiterzufriedenheit ermöglicht eine Zeitreihenanalyse wie sie in der folgenden Tabelle abgebildet ist einen schnellen Überblick der Veränderung über die Zeit hinweg.

Tab. 2 Zufriedenheit von Mitarbeitern über mehrere Jahre

Zeitreihenanalyse - Musterseniorenheim

für die Frage:

1.3. 2003

3.2.2004

13.4.2005

14.5.2006

1. Die Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen ist ...

70

73

64

70

2. Die Informationsweitergabe durch die KollegInnen ist ...

70

73

71

70

3. Die Klarheit, mit der wir auf gemeinsame Ziele hinarbeiten, ist ...

83

75

86

88

4. Die Stimmung in meinem Bereich ist ...

75

78

86

93

7. Die Ausstattung meines Arbeitsplatzes mit Arbeitsmitteln (Werkzeugen, Hilfsmittel) ist ...

32

31

30

24

Die Veränderung der Zufriedenheit für die einzelnen Fragen über die Jahre hinweg lässt sich auf einen Blick erkennen. In einigen Bereichen ist sie sehr stabil geblieben (z. B. Informationsweitergabe durch Kollegen), in anderen (z. B. Stimmung in meinem Bereich) hat sie sich deutlich erhöht (grüne Felder), oder aber auch im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert (rote Felder, z. B. Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Arbeitsmitteln).

Eingeleitete Maßnahmen in den einzelnen Bereichen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit können so schnell und einfach überprüft werden.

 

Die Ergebnisse von detaillierten Mitarbeiterzufriedenheitsbefragung bieten große Chancen für einen positiven Veränderungsschub in Senioren- und Altenhilfeeinrichtungen.

Risiken ergeben sich, wenn den Ergebnissen keine praktischen Konsequenzen folgen oder das Blockieren von Veränderungen durch Führungskräfte toleriert wird. Nicht allein der Einsatz eines guten Instrumentes sichert den Erfolg, sondern der Wille der Einrichtungsleitung die produzierten Ergebnisse sinnvoll und konsequent zu nutzen.